Dualismus – Abschied

Michels Herbst -Projekt

 http://muellerssicht.wordpress.com

Hier könnt ihr alle gesammelten Werke zum Projekt anschauen.

Sonntag.

Das erste Bild vom leider letzten Paar.

Abschied

Unten im Tal hat sich der Schnee zurückgezogen. Die Pflanzen und Steine und alles was drunter ist kommt wieder zum Vorschein.

Manche schnappen nach Luft um sich wieder zu beleben. Schaffen es dann.

Der Schnee hat Spuren hinterlassen, auch auf den Pflanzen.

Die Musik ist verstummt. Die Freude entschwunden. Das Geplauder und Getrasche gibt es nicht mehr.

Verletzt und verbrannt von der Kälte kämpfen sie ins Leben zurück.

Die bunten Kleider sind braun geworden, nass und schwer.

Vom Schrecken erholend schütteln sie sich trocken.

Befreien sich von den letzten kalten Wassertropfen – geschmolzener Schnee – auf ihren Leibern.

Und mit den sanften Berührungen und Streicheleien der schwachen Spätherbstsonne spüren sie sich langsam wieder. Fliesst schwaches Leben durch ihre Stengel und Blätter, durch ihre Stämme und Zweige.

Das Licht blendet und das nasse Glitzern überall lässt die mitgenommenen Pflanzen überlegen, ob sie es nun geschafft haben. Ob sie nun auf der anderen Seite angekommen sind – dort wo man ihnen erzählte sie würden niemals leiden müssen.

Sie stutzen. Augenreibend erheben sie die Köpfe, jene die es schaffen – schauen um sich.

Viele Freunde liegen braun am Boden, zusammengekauert… geknickt oder einfach nur ausgestreckt.

Die ersten sind weg – denken die Zurückgebliebenen. Es sieht aus wie nach einer verlorenen Schlacht.

Bald kommt der Winter zurück. Da sind sie sich einig. Narben und sichtbare Spuren zieren ihre Körper, Blessuren schmerzen.

Im Herzen drückt schwer die starke Gewissheit auf ein letztes kurzes Wiedersehen.

Sie schauen sich an.

Geschwächt.

Stumm nicken sie einander zum Abschied zu.

Ein letztes müdes Lächeln – jedoch zuversichtliches – wird ausgetauscht.

Gute Wünsche und schöne Träume einander schweigend zugezwinkert.

.

Ein herzliches Danke.

.

Um dann die Augen zu schliessen.

Mit Demut erfüllt.

Das Schicksal annehmend.

Advertisements

16 Gedanken zu “Dualismus – Abschied

  1. Sehr bewegend, Deine Gedanken. Und intensiv. Man scheint dabei zu stehen, die Szenerie in sich aufnehmend, und den Gedanken zu lauschen. Wunderbar. Auch bildlich. Eine Mischung aus Freude und Trauer, Hoffnung und Resignation.
    LG Michel

    • Danke Michel.
      Ja, für mich persönlich ist der Herbst so. Genau wie du oben diese Gegensätze auflistest. Und je älter der Herbst wird – umso näher der Winter heranschleicht – werde ich gierig nach Licht und Wärme und das alles fehlt mir. Und manchmal ahne ich fast wie die einheimische Natur sich nun fühlen muss – dem Tod so nahe…
      Lieben Gruss Michel. Danke.

  2. Wunderschöne melancholische Gedanken und ein passendes Bild dazu.
    Ich kann deine Sehnsucht nach Licht und Wärme gut nachempfinden.
    Auch wir sind Teil der Natur und in diesen dunklen Tagen spüren wir die Endlichkeit wohl
    einfach stärker.
    Ich sende dir ein zuversichtliches Lächeln
    Liebe Grüße
    James

  3. …sehr berührende Worte, ich konnte es fühlen, die Ahnungen, die Unsicherheit, der drohende Abschied und doch noch hoffen auf ein wenig Zeit…..auch ich fühle so im Herbst. Dein Bild gefällt mir auch sehr gut, es macht diesen Kampf sichtbar und zeigt die Spuren.
    lieben Gruß
    karin

    • Vielen herzlichen Dank für dein Mitfühlen, liebe Karin. Das Vertrauen und auch Wissen in uns schenkt uns die nötige Kraft. Jene die wir für unser Überleben der dunklen Zeiten brauchen.
      Ich grüsse dich – sonja

  4. Sehr bewegende und mitreißende Worte, die deine Gedanken wunderbar darstellen!
    Der Fokus auf dem noch grünen Teil der Pflanze zeigt mir das letzte müde, aber zuversichtliche Lächeln von dem du schreibst und die Hoffnung. Gefällt mir sehr gut!
    Liebe Grüße, Moritz

    • Herzlichen Dank Moritz.
      Ich meine auch – der Farn breitet seine Arme aus, bereit anzunehmen was unausweichlich ist.
      Er ist zuversichtlich, ja. Denn er weiss, im Frühling rollt er wieder ein neues Blatt nach dem anderen aus…..
      Ich freue mich schon jetzt darauf! 😀
      Schönen Abend und herzlichen Dank für deine Worte. sonja

    • Projekte wie diese fördern mich darin – *lacht*

      Ruthie, du lässt mich erröten. Sowas darf nichtmal geflüstert werden.
      Oder soll ich sagen, das sollte mein Deutschlehrer mal zu Augen bekommen? 😀
      Nein, im ernst, ich kenne meine Schwächen. Grammatik war noch nie eine davon.
      Dafür funktioniert mein Kopfkino, ich kann mich in viele Rollen ziemlich intensiv hineinversetzen und ich kann mich eigentlich auf das Bauchgefühl verlassen. Doch ob das für Märchenschreiben reicht?

      Danke für deine sooooooo lieb gemeinten Worte Ruthie :).
      Fühl dich herzlich umarmt – sonja

schenk mir deine Gedanken :)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s